Michael Niemeier

Vizepräsident des Bundesamts für Verfassungsschutz

„Der Zustand unserer Cybersicherheit definiert immer stärker die allgemeine Sicherheitslage unseres Landes“, bemerkte Michael Niemeier, Vizepräsident des BfV. Lange Zeit wurde dieser Aspekt viel zu wenig beachtet. „Das Grundgesetz der Digitalisierung war viel zu lange Schnelligkeit statt Achtsamkeit, Wirtschaftlichkeit statt Sicherheit“, so Niemeier. Dass diese Zeit großer Naivität zu Ende gehe, sei eine gute Nachricht.

Hochtechnisierte Gesellschaften sind schon lange das Ziel von Cyberangriffen. Dabei sind alle Bereiche betroffen: Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, selbst die öffentliche Meinung. „Die Liste der Kampagnen und Attacken, die unser Haus dokumentiert, ist lang“, betonte Niemeier. Und häufig haben diese Attacken das Ziel, Gesellschaften zu destabilisieren.

In Zukunft werden die Herausforderungen der Cybersicherheit weiter steigen. Mit den technischen Möglichkeiten steigt der Missbrauch: „Manipulierte Bilder und Videos können Fake News auf eine neue Ebene heben“, warnte Niemeier.

Auch das Internet der Dinge, Industrie 4.0 oder der neue 5G-Mobilfunkstandard werden Datenmassen liefern, die angreifbar sind. Um darauf zu reagieren „brauchen wir langfristige und tiefgreifende Strukturanpassungen, auch in unseren Behörden“, forderte Niemeier. Eine neue Technikkultur in den Behörden sei ebenso notwendig wie neue internationale Sicherheitspartnerschaften. „Im 21. Jahrhundert können nur diejenigen Staaten frei agieren, die ihre Cyberabwehr mutig und sicher an die aktuellen technischen Standards anpassen“, so Niemeier. Dafür brauche es hochqualifiziertes Personal – eine rare Ressource, um die Behörden, Wirtschaft und Wissenschaft miteinander konkurrieren.


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