Holger Münch

Präsident des Bundeskriminalamts

87.106 Fälle von Cyberkriminalität hat das Bundeskriminalamt im Jahr 2018 erfasst. Der Schaden beträgt etwa 61 Millionen Euro. „Das sind aber nur die Fälle, die angezeigt werden“, sagte BKA-Präsident Holger Münch. Die Dunkelziffer sei in diesem Bereich enorm. Von über 90 Prozent geht seine Behörde aus. „Viele zeigen den Schaden nicht an, weil sie es für nicht relevant halten oder weil sie glauben – und das sollte uns nachdenklich machen –, dass eine Anzeige sowieso nichts bringt.“

Cybercrime ist für Polizei und Bundeskriminalamt eine große Herausforderung. Dabei gibt es ganz verschiedene Formen: Phishing, Erpressung mit Ransomware, DDoS-Attacken, Underground Economy im Darknet oder auch Crime as a Service – Verbrechen auf Bestellung. Auch Angriffe auf kritische Infrastrukturen sind zunehmend ein Thema beim BKA.

„Klassische Delikte wie Erpressung oder Betrug finden zunehmend im Netz statt“, ergänzte Münch. Doch seine Behörde kann auch spektakuläre Erfolge aufweisen. Im April etwa die Abschaltung der Online-Plattform Wall Street Market im Darknet, auf der etwa 1,15 Millionen registrierte Kunden Drogen, Waffen oder digitale Identitäten erwerben konnten. „Es ist nicht teuer und es gibt einen großen Markt“, erklärte Münch zu den dort gehandelten Waren. Geprüfte Kreditkartendaten gibt es im Darknet etwa schon ab acht Dollar. Seit 2017 hatten die Beamten hier ermittelt und konnten die Drahtzieher schließlich fassen.

„Cyberraum darf kein rechtsfreier Raum sein“, betonte Münch. Als Antwort auf die gestiegene Online-Kriminalität schuf seine Behörde eine neue Abteilung Cybercrime, die angepasste Abwehrmethoden entwickelt. Auch eine europaweite Plattform zum Austausch von Methoden soll entstehen und die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft gestärkt werden.

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